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Alisa Fuss (1919-1997)


Alisa Fuss wurde am 7.4.1919 in Berlin
geboren und wanderte im Sommer 1935 mit der Jugend-Aliya nach Palästina aus. Sie war Lehrerin an einer Schule für verhaltensgestörte, normal begabte Kinder in Tel Aviv. Von 1976 bis zu ihrer Pensionierung 1980 arbeitete sie an der Laborschule in Bielefeld. Seit ihrem Umzug nach Berlin 1980 war sie auch in der Internationalen Liga für Menschenrechte Berlin, deren Präsidentin sie von 1991-1997 war, tätig. Sie organisierte Aktionen gegen die Abschiebung des Türken Cemal Kemal Altun; war Mitbegründerin des Flüchtlingsrats Berlin und im Beirat verschiedener Flüchtlingsorganisationen, u.a. des Behandlungszentrums für Folteropfer. Sie erhielt 1987 den Ingeborg-Drewitz-Preis der Humanistischen Unionund initiierte nach dem Pogrom in Hoyerswerda Mahnwachen vor Flüchtlingsheimen in Berlin und Umgebung. Im Dezember 1992 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen, das sie im April 1993 aus Protest gegen die Verstümmelung des Asylrechts der BRD zurückgab.

1982, nach dem Libanonkrieg, begründete sie mit anderen Berliner Juden die Jüdische Gruppe Berlin und im September 1989 die Nahost-Gruppe, einen Arbeitskreis von JüdInnen und PalästinenserInnen, der für alle unabhänig von ihrer Nationalität und Religion offen ist, die sich für Nahost-Probleme engagieren.

Alisa Fuss starb am 20.11.1997 in Tel Aviv an Krebs.

Eines ihrer Hauptanliegen war es, der innerisraelischen Kritik auch in Deutschland Gehör zu verschaffen, gegen eine falsch verstandene blinde Solidarität. Sie hat, wie kaum eine andere, immer wieder zur Versachlichung der Diskussionen beigetragen. Ihre leidenschaftliche, heftige Kritik an der eigenen Regierung wurde dadurch nicht geschmälert. Sie erhielt gerade dadurch Genauigkeit und Überzeugungskraft.

Seit 1988 hat ihr das Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung einen Rahmen für regelmäßige Veranstaltungen zum Thema Nahost-Konflikt verschafft, für Symposien, Tagungen mit palästinensischen und israelischen Kritikern der Nahost-Politik. Das Bildungswerk hat den Druck von Alisas Israel-Berichten ermöglicht, die von Barbara Heber-Schärer, die eng mit Alisa befreundet war, überarbeitet sind, so daß sie gegenüber den ursprünglichen, aus Gründen der Aktualität sehr schnell publizierten Fassungen leichter lesbar bzw. verständlicher geworden sind.
Alisa hat bei ihren Reisen Gruppen besucht, die sich in Israel/Palästina konkret für die Lösung vieler Folgeprobleme der israelischen Besetzung engagierten und engagieren: Gruppen wie etwa die Physicians for Human Rights,einer Gruppe von jüdischen und palästinensischen Ärzten, die in die besetzten Gebiete und die Flüchtlingslager fahren, um die medizinische Versorgung dort sicherzustellen und Workers Hotline, einer Organisation, die zunächst vor allem den palästinensischen Arbeitern hilft, ihre Rechte durchzusetzen. Später setzte sie sich für die "Gastarbeitern" aus aller Welt, die statt der Palästinenser, meist illegal, ins Land geholt wurden, ein.

Bei allem Pessimismus hat sich Alisa nie in billige Verzweiflung geflüchtet -, gehörte es zu ihrer Grundhaltung, positive Ansätze nicht zu unterschlagen, sondern im Gegenteil herauszustellen, auf die sich bessere Möglichkeiten, stützen könnten. Auch von dieser Haltung zeugen ihre Berichte. Sie hat sie aus Zeitungsmeldungen, Berichten über konkrete Aktionen, an denen sie teilgenommen hat und aus Gesprächen mit politischen Freunden zusammengesetzt.

Gespräch über Alisa, das Barbara Heber-Schärer kurz nach Alisas Tod mit einigen dieser Freunde in Israel führte.

Israelberichte einschließlich der Symposien (1988-1997)